Was ist ein Nachrangdarlehen?

Ein Nachrangdarlehen ist ein Darlehen, bei dem die Forderung des Gläubigers gegenüber anderen Verbindlichkeiten des Emittenten im Rang zurückgestellt ist. Im Insolvenzfall werden Nachranggläubiger erst nach allen anderen Gläubigern bedient — vor den Gesellschaftern, aber nach Banken und sonstigen vorrangigen Gläubigern. Zusätzlich sind die Vermögensanlagen mit einer vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre ausgestattet. Hierdurch können die Nachrangdarlehengläubiger die Forderungen nicht durchsetzen, soweit dies einen Insolvenzgrund für den Emittenten darstellen würde.  Dieses erhöhte Risiko wird Investoren in der Regel mit einem höheren Zinssatz vergütet.

Das Instrument ist kein Eigenkapital. Investoren, die ein Nachrangdarlehen gewähren, werden Gläubiger des Unternehmens — keine Gesellschafter. Sie erhalten weder Stimmrechte noch Anteile an Gewinnen oder am Unternehmenswert. Die Rückzahlung und die vereinbarten Zinsen sind vertraglich fixiert.

In der Praxis nutzen Startups, mittelständische Unternehmen und Projektentwickler Nachrangdarlehen, um Wachstumskapital aufzunehmen, ohne ihre Eigenkapitalstruktur zu verändern. Das Instrument eignet sich besonders für Vorhaben, bei denen der Emittent die Kontrolle über sein Unternehmen behalten möchte und Investoren als Kapitalgeber, nicht als Mitunternehmer, einbinden will.

Kapitalstruktur: Wo steht das Nachrangdarlehen?

Die folgende Darstellung zeigt die Rangfolge der Forderungen im Insolvenzfall:

Seniorkapital (Banken)

Vorrangige Forderungen, zuerst bedient

Vorrang

VIB-pflichtig ab 100.000 € · bis 6 Mio. € p.a.

Eigenkapital (Gesellschafter)

Letzte Position, höchstes Risiko

Nachrangig

Varianten: Partiarisches vs. einfaches Nachrangdarlehen

Das Nachrangdarlehen tritt in der deutschen Praxis in zwei wesentlichen Ausprägungen auf, die sich hauptsächlich in der Art der Beteiligung der Anleger unterscheiden und auch miteinander kombiniert werden können.

MerkmalQualifiziertes partiarisches NachrangdarlehenQualifiziertes Nachrangdarlehen
RangfolgeNachrangig gegenüber anderen FremdgläubigernNachrangig gegenüber anderen Fremdgläubigern
Beteiligung AnlegerAnteil am UnternehmensgewinnVerzinsung des eingezahltem Anlagebetrages
VerlustbeteiligungKeine — Rückzahlungsanspruch bleibt bestehenKeine — Rückzahlungsanspruch bleibt bestehen
Insolvenzschutz für EmittentHoch — Gläubiger darf keine Insolvenz einleiten, solange Rangklausel greiftHoch — Gläubiger darf keine Insolvenz einleiten, solange Rangklausel greift
Regulatorische EinordnungVermögensanlage nach VermAnlGVermögensanlage nach VermAnlG
VIB erforderlich (ab 100k €)JaJa
Typische AnwendungMezzanine-Strukturen, ProjektfinanzierungMezzanine-Strukturen, Projektfinanzierung

In der Praxis werden die beiden Nachrangdarlehensarten auch miteinander kombiniert.

VIB-Pflicht: Ab wann, wie viel, wie lange?

Wer ein Nachrangdarlehen anbietet — also über eine Internetdienstleistungs-Plattform an mehr als 20 Investoren — unterliegt ab einem Emissionsvolumen von 100.000 € der Pflicht, ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) nach § 13 VermAnlG bei der BaFin zur Gestattung einzureichen.

VIB auf einen Blick

  • Rechtsgrundlage: Vermögensanlagengesetz (VermAnlG)

  • Pflichtdokument ab 100.000 € Emissionsvolumen

  • Maximaler Umfang: 3 DIN-A4-Seiten

  • Emissionsgrenze ohne vollständigen Prospekt: 6 Mio. € in 12 Monaten

  • BaFin-Gestattung: typischerweise 10 Werktage bei vollständiger Einreichung

  • Pflichtinhalte: Emittentendaten, Konditionen, Risiken, Kosten, Widerrufsrecht

  • Geltungsbereich: Deutschland

Der BaFin-Gestattungsprozess

Das VIB ist vor der ersten öffentlichen Ansprache von Investoren bei der BaFin einzureichen. Die Behörde prüft das Dokument auf formelle Vollständigkeit und Konformität mit den Anforderungen des VermAnlG. Sie prüft nicht die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Angebots oder die Bonität des Emittenten.

Die Gestattung erfolgt in der Regel innerhalb von 10 Werktagen. Rückfragen der BaFin können die Frist verlängern. Voraussetzung für eine schnelle Gestattung ist ein formal vollständiges, inhaltlich korrektes Dokument. Broadside ist auf diese Anforderungen ausgelegt — der Broadside Generator erstellt das VIB in 24 Stunden, basierend auf einem strukturierten Fragebogen.

Nach der BaFin-Gestattung darf das VIB nicht mehr ohne erneute Gestattung inhaltlich geändert werden. Wesentliche Änderungen der Emissionsbedingungen erfordern ein aktualisiertes VIB.

Nachrangdarlehen vs. Gesellschafterdarlehen vs. Bankdarlehen

Emittenten stehen bei der Kapitalaufnahme oft vor der Frage, welches Instrument am besten zu ihrer Situation passt. Die folgende Tabelle gibt einen ersten Überblick über die wesentlichen Unterschiede.

KriteriumNachrangdarlehen (VIB)GesellschafterdarlehenBankdarlehen
GläubigerExterne InvestorenGesellschafter des UnternehmensKreditinstitut
AnteilsabgabeNeinNeinNein
Öffentliches Angebot möglichJa (mit VIB)NeinNein
Sicherheiten erforderlichNein (typischerweise)NeinJa (meist)
BonitätsprüfungKeine durch BaFinKeineIntensiv
VolumenBis 6 Mio. € p.a. ohne ProspektUnbegrenztAbhängig von Bonität
Regulatorische PflichtVIB ab 100k €KeineKeine für Emittent

Diese Übersicht dient der allgemeinen Orientierung. Für die steuerliche und rechtliche Einordnung Ihres konkreten Vorhabens empfiehlt sich eine anwaltliche Beratung.

Nachrangdarlehen öffentlich anbieten?

Wenn Sie ein Nachrangdarlehen öffentlich anbieten möchten, erstellt Broadside das passende VIB in 24 Stunden — ab 4.800 €, Revisionen inklusive. Kein Stundenhonorar, kein monatelanger Kanzlei-Prozess. Das Dokument ist einreichungsfähig bei der BaFin.

Fragen zum Nachrangdarlehen

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